HEM Impuls Dokumentation
Patrick Furrer : « How can Open Science improve research quality at UAS and UTE?»
21. Februar 2022, 17:05–19:00
Mit dem Schlagwort der «Open Science» wird eine ganz neue Kultur der Wissenschaft bezeichnet: Daten werden gemeinsam genutzt, Publikationen sind frei zugänglich, Peer-Reviews werden transparent gemacht. Dr. Patrick Furrer ist profunder Kenner der schweizerischen und europäischen Forschungslandschaften. In seinem Vortrag bringt er uns auf den aktuellen Stand der Diskussion und gibt Impulse, was «Open Science» für die Hochschule der Zukunft konkret bedeuten kann.
Open Science – ein möglicher «Gamechanger» in der Forschung
Patrick Furrer referierte am HEM-Impuls über eine potentielle Erfolgsgeschichte, die in der Schweiz aber noch geschrieben werden muss.
Mit dem Schlagwort der «Open Science» wird eine ganz neue Kultur der Wissenschaft bezeichnet: Daten werden gemeinsam genutzt, Publikationen sind frei zugänglich, Peer-Reviews werden transparent gemacht. «Open Science hat zum Ziel, die Qualität der Forschung zu steigern», machte Patrick Furrer gleich zu Beginn seines Referats deutlich. Dass dies nicht nur eine Vision ist, sondern teilweise bereits Realität, zeigten die letzten zwei Jahre. «Die Covid-19-Pandemie hat beispielhaft gezeigt, wo der Gewinn dieses Kulturwandels liegen kann», so der profunde Kenner der schweizerischen und europäischen Forschungslandschaften. Und tatsächlich können ausgewählte Elemente von Open Science damit gut demonstriert werden: Die Daten zu SARS-CoV-2 wurden gleich zu Beginn von mehreren internationalen Forschungsgruppen öffentlich zur Verfügung gestellt, damit die Ergebnisse nachvollzogen und sogar reproduziert werden konnten (Open Data). Die Studien wurden bereits als Preprints in der Community breit diskutiert, damit noch vor der Veröffentlichung Verbesserungsvorschläge einfliessen konnten (Open Peer Review). Und die Publikationen waren frei zugänglich (Open Access). Das Ergebnis: Die Entwicklung von Impfstoffen in Rekordzeit.
Eine wahre Erfolgsgeschichte also – und demzufolge die Zukunft in den Schweizer Hochschulen? Diese Einschätzung wäre verfrüht. Zwar treiben die Nationale Open-Access-Strategie sowie die Nationale Schweizer Strategie für Open Research Data von «swissuniversities» die Umsetzungen in der Schweiz kräftig voran. Aber damit der mögliche «Gamechanger», wie Patrick Furrer ihn eingeführt hat, wirklich verankert werden kann, müssen noch verschiedene Hürden übersprungen werden. Ein Hauptproblem liegt im fehlenden Anreiz für die Forschenden selber: Während Open Access Prestige einbringen kann, bringt insbesondere Open Data vor allem zusätzliche Arbeit mit sich. Und potentiell auch Risiken: Warum sollte sich eine Forscherin die Mühe machen, ihre ganzen Daten transparent zu machen, damit dann eine andere Forschungsgruppe davon profitieren und unter Umständen die ganz grosse Publikation lancieren kann? Wie Patrick Furrer dieses Problem einschätzt, erläutert er im folgenden Video-Interview.
Wie knifflig diese Kalibrierung ist, zeigt ein Blick auf die Datenlage. Mitarbeitende sind zufriedener, wenn sie zu gewünschten Teilen im Homeoffice arbeiten können, so viel ist klar. Wie produktiv sie dort sind, weiss man hingegen nicht mit Sicherheit, weil hierzu nur deren eigene Einschätzungen erhoben worden sind. Und in Bezug auf die Innovation fehlen die Daten gänzlich, wenngleich hier die Annahme plausibel ist, dass diese vorwiegend den Austausch vor Ort erfordert. Was heisst das nun konkret für eine Hochschule? Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO). In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, warum es bei der Ausarbeitung dieser neue Formel unerlässlich ist, die Teams einzubinden.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, welche Kompetenzen es braucht, um sich auf den Weg zu einer digitalen Lehre zu machen.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Hartmut Schulze: «Der passende Mix zwischen Präsenz und mobil-flexibler Arbeitsweise – Herausforderungen und Potenziale für Hochschulen»
7. Dezember 2021, 17:00–19:00
Prof. Dr. Hartmut Schulze arbeitet an der FHNW Hochschule für Angewandte Psychologie zur Analyse und Gestaltung von Arbeits- und Büroräumen, Home Office und mobil-flexibler Arbeit. Er führte erste Studien zum veränderten Arbeitsverhalten während der Pandemie durch, untersucht und begleitet Kooperationsprozesse im digitalisierten Planen und Bauen sowie Mensch-Roboter-Interaktionen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern.
«Wir müssen eine neue Formel für die Arbeit finden»
Lehren und Arbeiten an Hochschulen nach Corona: Das neue Normale – Was bleibt und was ändert sich? Diesen Fragen widmet sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe «HEM Impuls». In der dritten Veranstaltung referierte Hartmut Schulze über die Chancen und Herausforderungen der von Homeoffice in der Zeit nach der Pandemie.
«Covid ist ein Gamechanger», sagte Helmut Schulze gleich zu Beginn seines Referats: 90 Prozent wollen auch dann noch mindestens teilweise zuhause arbeiten, wenn die Pandemie vorbei ist. Dies zeigte eine Befragung des Forschungsinstituts Sotomo. «Sie fühlen sich autonomer, müssen nicht pendeln und nehmen sich motivierter und produktiver wahr» führte Schulze die wesentlichen Gründe an, die der Experte für mobile und flexible Arbeit in einer eigenen Studie an der FHNW untersucht hat. Ob man im Homeoffice jedoch nicht nur lieber, sondern auch besser arbeitet, hängt stark von der Aufgabe ab.
Kommt drauf an, was der Auftrag ist
Gemäss Hartmut Schulze muss man hier drei Bereiche unterscheiden: Fachliche und administrative Stillarbeiten kann man tatsächlich gut zuhause erledigen, es braucht dazu aber ein «Refugium der Stillarbeit», wie Schulze es nennt. Im Zwischenbereich befinden sich vertrauliche Meetings sowie Seminare und Vorlesungen. Der spontane und informelle Austausch hingegen funktioniert besser vor Ort. Gerade dieser Gewinn aus dem persönlichen Gespräch droht aber verlorenzugehen, wenn zu viele Mitarbeitende zu viel Zeit zuhause verbringen. «Homeoffice wirkt wie eine Zentrifuge», sagt Helmut Schulze: «Eingespielte Teams bleiben zwar auch digital gut im Kontakt, aber übergeordnet findet kaum mehr ein Austausch statt.» Innovative Projekte werden so stark erschwert – dabei ist die Innovationskraft für Hochschulen neben der Produktivität der Mitarbeitenden ein ganz zentrales Kriterium. Für die Gestaltung der Zukunft heisst das: Die Hochschulen müssen kalibrieren, was sie wie hoch gewichten: die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, deren Produktivität und die Innovationskraft der ganzen Organisation. «Wir müssen eine neue Formel für die Arbeit im Homeoffice finden», ist das Fazit von Hartmut Schulze.
Wie knifflig diese Kalibrierung ist, zeigt ein Blick auf die Datenlage. Mitarbeitende sind zufriedener, wenn sie zu gewünschten Teilen im Homeoffice arbeiten können, so viel ist klar. Wie produktiv sie dort sind, weiss man hingegen nicht mit Sicherheit, weil hierzu nur deren eigene Einschätzungen erhoben worden sind. Und in Bezug auf die Innovation fehlen die Daten gänzlich, wenngleich hier die Annahme plausibel ist, dass diese vorwiegend den Austausch vor Ort erfordert. Was heisst das nun konkret für eine Hochschule? Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO). In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, warum es bei der Ausarbeitung dieser neue Formel unerlässlich ist, die Teams einzubinden.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, welche Kompetenzen es braucht, um sich auf den Weg zu einer digitalen Lehre zu machen.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation
Mark Brown: «Post-pandemic transformation of higher education institutions: challenges and drivers»
28. September 2021, 17:00–19:00
Prof. Mark Brown, Direktor des National Institute for Digital Learning an der Dublin City University (DCU), digitale Leadership Expertise in hochschulweiten Digitalisierungprojekten, Implementierungen und Evaluationen von «Digital Learning and Teaching» Initiativen, Tätigkeiten und Einsitz in internationalen Gremien zur digitalen Hochschullehre.
«Digitales Lernen muss intentional sein»
Lehren und Arbeiten an Hochschulen nach Corona: Das neue Normale – Was bleibt und was ändert sich? Diesen Fragen widmet sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe «HEM Impuls». In der ersten Veranstaltung referierte Mark Brown über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der Zeit nach der Pandemie.
Brainstorming via «Teams», «MOOCs» für die Masse, hybrider Unterricht – digital ist überall, gerade nach Corona. Und kaum einer wäre prädestinierter als Mark Brown, die Bedeutung digitalen Lernens für die Zukunft zu untermauern. Der Neuseeländer ist Direktor des National Institute for Digital Learning an der Dublin City University und hat weltweit eine Reihe von Digitalisierungsprojekten begleitet. Sein Fazit? «Es gibt gutes und schlechtes Unterrichten. Die Art der Vermittlung – also online oder offline – ist nicht entscheidend für die Qualität des Erlebens von Studierenden», so Brown. Denn digitales Lernen muss intentional sein, das heisst: zielgerichtet eingesetzt werden, fordert er. Was dies für die Zeit nach der Pandemie bedeutet, führt er im nachfolgenden Video aus. Dieses Video wurde nicht während des HEM-Referats aufgezeichnet, sondern ist auf Mark Browns Website publiziert.
Im Rahmen des neuen Online-Formats «HEM Impuls» hat er konkretisiert, wie digitales Lernen funktionieren sollte. Seine Argumentation lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Das digitale Lernen hat nicht prinzipiell einen Mehrwert, sondern es muss gezielt eingesetzt werden – eben intentional. Und zwar dort, wo es das pädagogische Setting anreichert. Das klingt erstmal recht banal und unaufgeregt, ist aber im Hype des Digitalen, der zuweilen zu beobachten ist, doppelt zu unterstreichen. Zweitens: Man muss viel stärker von den Lernenden ausgehen und nicht von den Dozierenden aus denken. Auch diese Forderung ist weitreichender, als sie zunächst klingt. Für manch eine Lehrperson ist das Unterrichten von zuhause aus niederschwelliger, weil der Arbeitsweg wegfällt und man auch Inhalte vorproduzieren kann. Für die Studierenden hat das aber nicht immer einen Mehrwert. «Lehrpersonen brauchen einen pädagogischen Kompass», fordert Brown deshalb. Dieser Kompass, der unten abgebildet ist, unterscheidet verschiedene Lernformen. Auf der Basis dieser Lernformen kann das pädagogische Setting definiert werden. Und erst jetzt – drittens – kommen die einzelnen digitalen Möglichkeiten ins Spiel. Diese können nun gezielt eingesetzt werden, um einen Mehrwert zu schaffen. Und nur dann.
Die drei Personen, welche den «HEM Impuls» initiiert haben, haben die zentralen Erkenntnisse des Talks unmittelbar danach kommentiert und eingeordnet. Es sind dies Barbara Fäh (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Catherine Sokoloff (HEM) und René Graf (HES-SO), der den Talk auch geleitet hat. In diesem Gespräch erfahren Sie unter anderem, was es braucht, um eine digitale Kultur in der ganzen Institution zu verankern.
Bericht: Dr. Steff Aellig & Dr. Dominik Gyseler, HfH Wissenschaftskommunikation